Der kürzlich veröffentlichte SPACE I 2023 Bericht bietet eine umfassende Analyse der Gefängnissysteme in Europa und beleuchtet dabei auch die spezifische Situation in Österreich. Der Bericht deckt mehrere problematische Bereiche auf, in denen Österreich im europäischen Vergleich nicht gut abschneidet. Im Folgenden werden die wichtigsten Feststellungen detailliert dargestellt.

Hohe Belegungsdichte

Eines der gravierendsten Probleme in Österreich ist die hohe Belegungsdichte in den Gefängnissen. Mit einer Belegungsrate von 99,4% liegt Österreich weit über dem europäischen Median von 90,2%. Diese hohe Auslastung führt zu überfüllten Gefängnissen und verschlechtert die Lebensbedingungen der Insassen erheblich​​.

Hohe Zahl von Gefängnisausbrüchen und Entweichungen

Im Jahr 2022 verzeichnete Österreich insgesamt 112 Vorfälle von Gefängnisausbrüchen und Entweichungen, darunter 2 Ausbrüche, 18 Fluchten und 92 Fälle von Nichtzurückkehren nach einer Ausgangserlaubnis. Diese hohe Zahl deutet auf erhebliche Sicherheitslücken und ineffektive Überwachungsmaßnahmen hin​​.

Überdurchschnittlicher Anteil an nicht verurteilten Häftlingen

Ein weiteres Problem ist der hohe Anteil an Häftlingen, die noch nicht rechtskräftig verurteilt sind. In Österreich beträgt dieser Anteil 35,6%, was deutlich über dem europäischen Median von 24,7% liegt. Diese Zahl weist auf ineffiziente Justizprozesse und lange Verfahrensdauern hin, die die Situation in den Gefängnissen zusätzlich belasten​​.

Veraltete Infrastruktur und Ressourcenmangel

Der Bericht hebt zudem hervor, dass viele österreichische Gefängnisse mit veralteter Infrastruktur und unzureichenden Ressourcen zu kämpfen haben. Dies beeinträchtigt nicht nur die Lebensbedingungen der Insassen, sondern erschwert auch die Arbeit des Gefängnispersonals erheblich.

Maßnahmen zur Verbesserung der Situation

Angesichts dieser Herausforderungen sind dringende Maßnahmen erforderlich, um die Situation in den österreichischen Gefängnissen zu verbessern:

  1. Kapazitätserweiterung und Modernisierung: Investitionen in den Ausbau der Gefängniskapazitäten sowie in die Modernisierung der bestehenden Infrastruktur sind notwendig, um die Belegungsdichte zu reduzieren und die Lebensbedingungen zu verbessern.
  2. Effizientere Justizprozesse: Die Beschleunigung von Gerichtsverfahren und die Bereitstellung zusätzlicher Ressourcen für die Justiz könnten dazu beitragen, den Anteil nicht verurteilter Häftlinge zu senken.
  3. Verbesserte Sicherheitsmaßnahmen: Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen und Schulungen für das Personal sind entscheidend, um die Zahl der Ausbrüche und Entweichungen zu reduzieren.
  4. Förderung alternativer Strafvollzugsmodelle: Der Einsatz alternativer Modelle wie der elektronischen Überwachung könnte dazu beitragen, die Gefängnisauslastung zu verringern und die Wiedereingliederung der Insassen zu fördern.

Der SPACE I 2023 Bericht zeigt deutlich, dass Österreich vor erheblichen Herausforderungen im Strafvollzug steht. Durch gezielte Maßnahmen und Investitionen kann jedoch eine nachhaltige Verbesserung der Situation erreicht werden, die sowohl den Insassen als auch dem Gefängnispersonal zugutekommt.

Hier können Sie den gesamten Bericht abrufen: https://wp.unil.ch/space/files/2024/06/SPACE_I_2023_Report.pdf

Die jährliche Strafvollzugsstatistik des Europarats, besser bekannt als SPACE (Statistiques Pénales Annuelles du Conseil de l’Europe), besteht aus zwei miteinander verbundenen Projekten. SPACE I liefert seit 1983 jährlich Daten über Inhaftierungen und Strafvollzugsanstalten. SPACE II erhebt seit 1992 (seit 2009 jährlich) Daten über Sanktionen und Maßnahmen ohne Freiheitsentzug.
Diese Statistiken werden von einem Netzwerk nationaler Korrespondenten bereitgestellt, die in den Strafvollzugs- und Bewährungsdiensten der 47 Mitgliedstaaten des Europarates arbeiten. Sie werden derzeit von einem Forscherteam an der Universität Lausanne (Schweiz) überprüft, verarbeitet und analysiert. SPACE ist ein weltweit bekanntes Projekt, das eine wertvolle Quelle für vergleichende Informationen und Daten darstellt, die von internationalen Organisationen, nationalen Behörden, politischen Entscheidungsträgern, Praktikern und Experten im Strafvollzug genutzt werden.

https://www.coe.int/en/web/prison/space

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